Der Pieper hat jetzt ausgedient

Detmolds Feuerwehrchef Friedrich Tiemann scheidet aus dem aktiven Dienst aus

(20.6.2012) Detmold. Es ist absehbar: Heute wird Friedrich Tiemann 60 Jahre alt. Damit kann der Detmolder Feuerwehrchef den Funkalarmempfänger, der ihn über Jahre begleitet hat, abgeben.

Denn mit 60 gehen Feuerwehrleute aus dem aktiven Dienst. Auch für Feuerwehrchefs gibt es da keine Ausnahme, und Friedrich Tiemann würde auch keine wollen. „Es hat viel Spaß gemacht, ich habe nichts bereut, aber jetzt sind Jüngere dran“, sagt er. Am Freitag wird er offiziell verabschiedet.

Einsätze hat Tiemann zu hunderten gehabt, von noch mehr ist er durch den Melder informiert worden. Zwei kommen ihm spontan in den Sinn, einer ist zehn Jahre her, der andere erst knapp eines. Am 7. Juni 2002 brannte „Strates Brauhaus“. „Das war der kritischste Einsatz“, sagt er. Ein Feuer, mitten in der eng bebauten und bewohnten historischen Altstadt. Und dann ist da der Tod der zwölfjährigen Melanie im Juli 2011 – beim Spielen erschlagen von einem schon lange morschen Baum. Auch hier meldete sich der Pieper, und noch heute ringt Tiemann nach Worten. „Da ist man so hilflos und versteht nicht, wie so etwas passieren kann“, sagt er und strafft die Schultern: „Aber das muss man wegstecken.“

1969 ist Friedrich Tiemann in die Jugendfeuerwehr eingetreten und damit seinem Vater gefolgt, der auch Feuerwehrmann war. Seit 1975 kümmerte er sich um den Feuerwehr-nachwuchs, von 1979 bis 1996 als Kreisjugendfeuerwehrwart. Nach Differenzen schied er aus dem Amt, doch die Feuerwehr ließ ihn nicht los. Schon ein Jahr später machte der Detmolder Stadtrat den Diestelbrucher Löschgruppen-führer zum obersten Brandschützer der Stadt. Die Detmolder Feuerwehr sei damals nicht im besten Zustand gewesen, blickt er zurück. Entsprechend hält Friedrich Tiemann wiederum zwei Dinge aus dem „feuerwehrpolitischen Leben“ eines Stadtbrandmeisters im Spannungsfeld zwischen Politik, Verwaltung und Löschgruppen für prägend: die Neuordnung der Einheiten und den Umbau der Detmolder Hauptwache. „Das ging nur, weil wir miteinander gesprochen haben“, erinnert er sich. Das habe geholfen, Verständnis für die Zwänge und Wünsche auf allen Seiten zu schaffen. „Jeder musste Zugeständnisse machen, aber letztlich ist im vernünftigen Umgang mit einander viel geschafft worden.“ Drauf ist er stolz, genauso wie darauf, dass unter seiner Ägide nie ein Feuerwehrmann schwer verunglückt ist.

Der Vermessungsingenieur, der im Oktober 40 Jahre im öffentlichen Dienst bei der Bezirksregierung sein wird, hat sein Ehrenamt Revue passieren lassen und viel gezählt: 170 Einheitsführer-Besprechungen und 17 Jahreshauptversammlungen der größten Feuerwehr in Lippe hat er geleitet, rund 800 Beförderungen und Ernennungen ausgesprochen.

Die Stunden, die seine Frau Marga, die Söhne Bernd und Christian dadurch auf ihn verzichten mussten, sind ungezählt. Man mag die Zahl nur erahnen, wenn Friedrich Tiemann berichtet, dass er Dachlatten zur Renovierung eines Fachwerkhauses in seinem Besitz schon zum 50. Geburtstag bekommen hat. Aber so wartet jetzt, wenn er den Pieper und das Amt abgegeben hat, eine neue Aufgabe.(te)

Friedrich Tiemann zieht Bilanz: Der Feuerwehrchef erreicht heute die Altersgrenze für den aktiven Dienst. (Quelle: Lippische Landeszeitung, Foto: LZ / Preuss)